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Was ist Polykontexturale Logik / PolykontexturalLogik?

     
     

   

   
     

Lösung für den Streit der Standpunkte

     
   

 

Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte, sondern die Wahrheit ist das Ganze!

Die Wahrheit ist nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern das größte gemeinsame Vielfache!

Der Begriff "PolykontexturalLogik / Polykontexturale Logik" bedeutet frei übersetzt: Die Logik, die nicht nur einen, sondern mehrere Bezugsrahmen als Fundament nutzt  (Poly = viele;  Kontext = Zusammenhang,  Bezugsrahmen, Basis, Beziehungsgeflecht;   Logik = Lehre vom folgerichtigen Denken).

Die meisten gewalttätigen Konflikte auf unserem Planeten entstehen durch die Betrachtung von Sachverhalten aus unterschiedlichen Perspektiven. Wobei Leute oder Gruppen verschiedene Standpunkte haben, an diesem Standpunkt verharren und um ihre Sichtweise streiten. Oft fehlt die Bereitschaft, sich auf den anderen Standpunkt zu stellen und von dort aus zu blicken. Viel häufiger wird durch Beharren auf einen bestimmten Standpunkt die Kommunikation eingestellt, Zensur gewählt oder sogar ein Krieg begonnen.

Diese verhinderte Kommunikation führt oft zu einer Verhärtung der unterschiedlichen Wahrheiten, einer unterschiedlichen Logik und unterschiedlichen Gefühlserfahrungen. Zusammenfassend könnte man sagen, diese Leute leben in unterschiedlichen Systemen, die oft ein gesamtes Weltbild inklusive zugehörigem Selbstbild beinhalten.  Um eine komplexe Situation beurteilen zu können, braucht man das Gesamtbild. Das für die Orientierung wichtige Gesamtbild bekommt man nur, wenn man alle Perspektiven nutzt. Wer die Sichtweise des "Gegners" ignoriert verhindert Kommunikation und trifft folglich Fehlentscheidungen bzw. schürt den Konflikt.
Der Kabarettist Josef Hader beschreibt dieses Problem der "festgenagelten Standpunkte" treffend mit seinem Lied "Topfpflanzen". Ein Song von mir beschreibt das Thema ebenfalls: Neo von Terra - Die Wahrheit gibt es nicht - Mp3

Die Wahrnehmung verändert sich mit einem Wechsel der Perspektive oft extrem.

Die soziale Anwendung von Polykontexturallogik (PKL) erfordert von allen Beteiligten absolute Offenheit in der Kommunikation, sowie völlige Meinungsfreiheit. Nur wenn bei jedem Einzelnen der Mut vorhanden ist, der eigenen subjektiven Wahrnehmung zu trauen und sie ohne vorherige Zensur mitzuteilen, kann, indem jeder seine Wahrnehmung kommuniziert, gemeinsam ein unverlogenes Gesamtbild entstehen.
Erst damit sind Lösungen bei komplexen Problemen möglich, die bei der üblichen hierarchischen und angstbesetzten und deshalb fehlerhaften Kommunikation unserer Kultur, sonst nicht möglich sind. Reale Objektivität im Zusammenspiel kann also nur entstehen, wenn jeder es wagt seine wirkliche und subjektive Wahrnehmung einzubringen.
Das Gesamtbild entsteht hier durch die Vielzahl der unzensierten Eindrücke. Es entsteht nicht durch den Zwang dies zu sagen, was man glaubt, dass es der Mainstream, der Chef oder irgendwelche Meinungs-Diktatoren hören wollen.

Angewandte PolykontexturalLogik ist die Beurteilung eines Themas oder eines Konfliktes unter Einnahme aller Standpunkte die es gibt.

PolykontexturalLogik in der sozialen Praxis wäre ein Novum. Gelingen könnte dies durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Friedensforschung, Schauspielmethodik (1) und Kommunikationsforschung (1) (Radikaler Konstruktivismus)

Solange das Selbstbild und Weltbild eines jeden von uns üblicherweise vom Standpunkt nur einer (egozentrischen-) Perspektive abhängt, ist die hierdurch gewonnene Wahrheit lediglich eine subjektive Teilwahrheit und deshalb zur Orientierung mangelhaft. Erst ein Mensch, der sich so perfekt wie ein Schauspieler in die Rolle eines Anderen wirklich hinein begibt, kann seinen vorherigen blinden Fleck erkennen und diesen Orientierungsfehler ausgleichen. Sogar der Konflikt z. B. zwischen einem verfeindeten Israeli und Palästinenser könne lösbar sein, wenn jeder der beiden als Schauspieler (1) ernsthaft und wahrhaftig einige Zeit in der Rolle des anderen lebt. Die Erfahrung IN einer anderen Rolle ist die intensivste dem Menschen mögliche Erfahrung überhaupt, um den anderen zu verstehen! Gut vorbereitet könnte solch ein "Aha Erlebnis" bzw. "ein Urlaub aus der eigenen Ego-Rolle" einem Menschen in relativ kurzer Zeit vermittelt werden.

Um einen echten Perspektivwechsel herbeizuführen, reicht es nicht, dies nur oberflächlich zu tun, sondern man sollte so denken und vor allem so fühlen wie die andere Person. Um dies funktional zu erreichen, muss man zumindest einmal komplett in die jeweilige andere Rolle hineinschlüpfen. Auf diese Weise lassen sich durch ein persönliches empathisches Erlebnis Kriege, Missverständnisse und Gewalt vermeiden. Jeder könnte das dafür nötige Know-how in wenigen Wochen im Schauspielunterricht erwerben.

Im beginnenden Kommunikationszeitalter sollte Schauspiel zur Grundschulung eines jeden Menschen gehören.

Im Schauspielunterricht wird gelehrt, die eigene Wahrnehmung aller seiner Sinne wirklich ernst zu nehmen. Dies beinhaltet auch Gefühle, innere Impulse etc. Wir alle haben mehr oder weniger einen "Inneren Polizisten", eine innere Zensurstelle durch unsere Erziehung oder die kulturelle Zugehörigkeit eingebaut, die manchmal extrem kontraproduktiv wirkt und Konflikte und Selbstirrtümer fördert.

Wir plädieren für strikte Gewaltfreiheit, jedoch für eine ABSOLUTE Offenheit der Rede und eine totale Ehrlichkeit des Dialogs!  Nur so können wir die Kommunikation zu der Weltmacht ausbauen, die sie im Kommunikationszeitalter zu sein hat!  Dazu darf es keine kommunikativen Tabus mehr geben! Wir müssen über ALLES reden können!

Eine der menschlichen Freiheiten besteht in der Veränderungsmöglichkeit des Standpunktes und der Perspektive zu den Dingen.

Die Gehirnforschung zeigt heute deutlich, dass der Mensch mit seiner Wahrnehmung und seiner Erinnerung (1) nicht fehlerlos funktioniert und es viele Arten von Sinnestäuschungen gibt. Diese Kenntnis steht dem sturen Beharren auf nur einer absoluten Wahrheit, jedem Dogmatismus, jeder Orthodoxie und jedem Fundamentalismus entgegen.

Feste Standpunkte, einseitige Perspektiven, sture Egozentrik und der archaische Drang zur Polarisierung ist veraltet im angehenden Kommunikationszeitalter!
Wir benötigen heute das ganze Bild in 3D von der Wirklichkeit und ihren Problemen. Alle verfügbaren subjektiven Perspektiven müssen für diese „Ultravision 360“ zusammengerechnet werden.

Die heutigen Hauptprobleme sind komplex und oft dynamisch in ständiger Veränderung. Solche Probleme können nur als Netzwerk, als Wolke/Cloud richtig wahrgenommen und verstanden werden. Wer nur aus einer Seite und einer fixen Perspektive wahrnimmt, der hat schon verloren und wer aufgrund eines reduzierten zweidimensionalen Bildes die Lösung eines dreidimensionalen Problems erreichen will, der betreibt Realsatire.

"Die Idee von der Selbstbefreiung durch das Wissen, die die Aufklärung vertritt, enthielt von Anfang an auch die Idee, dass wir lernen müssen, uns von unseren eigenen Ideen zu distanzieren, statt uns mit unseren Ideen zu identifizieren.
Im Interesse der Befreiung vom Irrtum und der geistigen Übermacht eventuell falscher Ideen, müssen wir uns dazu erziehen, unsere eigenen Ideen ebenso kritisch betrachten zu können wie die Ideen, gegen die wir kämpfen."
  
Karl Popper

Der Filmklassiker "Rashomon" des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa stellt eine objektive Realität und Wahrheit in Frage. Dies zeigt wie unterschiedliche Standpunkte, Interessen und Motive die Wahrnehmung einer Situation maßgeblich beeinflussen.

Aus dem Buddhismus ist folgende Geschichte bekannt: "Vier Menschen werden in einen dunklen Raum geführt und sollen danach erzählen, was sie dort finden. Der eine ertastet eine Schlange, der nächste einen Tempel, der dritte ein ledernes Segel, der vierte ein Seil.   -   Aber in dem Zimmer befindet sich eigentlich nur ein Elefant".

Info zum Begriff: "Soziale Perspektive", die mentalen Käfige der Gruppenbezogenheit, die Abhängigkeit der Information vom Ort der Wahrnehmung und die Entgrenzung durch das Internet.

Ein Problem unserer Zivilisation in Bezug auf Polykontexturaler Logik liegt im ideologischen oder religiösen Dogma. Ein Tabu, das eine andere Sichtweise verbietet und somit manche Konflikte unlösbar macht.

Ein Beispiel für die Anwendung von Polykontexturallogik: Hätte George W. Bush nach dem 11.9.2001 die Frage gestellt: "Warum tun die das?" und hätte er wirklich zugehört, so hätte eine Palette an vernünftigeren Lösungsmöglichkeiten offen gestanden. Krieg ist nur möglich, wenn eine einseitige Perspektive medial und emotional hochgeschaukelt wird. Man könnte diese Polarisierung "MonokontexturalLogik" nennen. Bush hat von 2001 bis 2007 ca. 1000-Milliarden-$ für Krieg ausgegeben, praktisch ohne etwas wirklich sinnvolles erreicht zu haben. Für dieses Geld hätte ein "Weltmarshallplan" finanziert werden können, der dem Terrorismus das Wasser abgräbt.

"Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst."
Voltaire

Oft wissen wir bei widersprüchlichen Informationen nicht wem wir glauben sollen und unsere Bewertung eines Sachverhalts schwankt also zwischen wahr, unwahr und verschiedenen Zwischenwerten. Manchen Leuten sind Wahrscheinlichkeitsabwägungen zu kompliziert oder verwirrend und sie tendieren dazu, einfach die erste Sichtweise als absolute Wahrheit zu betrachten, oder einer Autoritätsperson absolut zu glauben. Sie "rasten dann ein", polarisien, werden "statisch wie eine bewaffnete Burg" und lassen fortan keinen Widerspruch mehr zu, um die, in den eigenen Besitz genommene Wahrheit, nicht mehr loslassen zu müssen. Die Moderne fordert eine Lösung für dieses Verhalten.

Das Kommunikationszeitalter benötigt eine neue Diskussions- und Streitkultur!

Hierzu soll es eine neue Art der praktischen Anwendung geben. Polykontexturale Logik in Verbindung mit Schauspielmethodik und Kommunikationsforschung (Radikaler Konstruktivismus): Das interdisziplinäre Pilot- Projekt RealTheater

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Weitere Informationen zum Thema:

*Gotthart Günther ist der Erfinder des Begriffes Polykontexturallogik/ Polykontexturalitätslogik/ Polykontexturalitätstheorie. Er erkannte etwa ab 1970, dass für eine widerspruchsfreie Beschreibung mentaler Prozesse eine mehrstellige Logik zwingend notwendig ist.  Polykontexturalität von Gotthard Günther

*Zweidimensional denkende Führungskräfte versuchen heute dreidimensionale Probleme zu lösen.    :-)
Hierarchische Systeme sind nicht leistungsfähig genug um die komplexen Weltprobleme zu lösen. Die heutige globale Weltordnung benötigt polyzentrisch gemanagte Netzwerke. Weltgesellschaft und Polykontexturale Logik (PDF)

* Kybernetik, Systemtheorie und Polykontexturalität - siehe  www.vordenker.de

* Verschiedene Logiktheorien aus der Stanford University (Mr. Spock vom Raumschiff Enterprise wäre beeindruckt):  Hybrid Logic, Fuzzy Logic, Linear Logic, Modal Logic etc. - siehe Stanford Encyclopedia of Philosophy (in englischer Sprache)

* "Der schöne Streit" - Debattierclubs: Man trainiert, sich auf Knopfdruck gegen die eigene Meinung zu stellen

   

Orientierung/Gliederung:

Projekt RealTheater:
1.
RealTheater - Konkrete Utopie - Experimentelle Friedensforschung
2.  Grundlagen: Philosophie - Kommunikationsforschung - Konstruktivismus
3.  Grundlagen: Künstlerischer Hintergrund - Schauspiel Know-how
4.  RealTheater & Klartraum (Regieführung in den eigenen Träumen)
5.  RealTheater & Liebesforschung: Kunst, Kultur und Wissenschaft der Liebe
6.  RealTheater & Liebesforschung: Liebe & Sex in einer Zukunftsgesellschaft
7. 
 Projekt RealTheater - Ausführliche Informationen über das Pilotprojekt

Friedensforschung 2.0
1.  Wir benötigen eine Mobilisierung der Friedensforschung
2.  Lösung für den Streit der Standpunkte: Polykontexturale Logik
3.  Das Kommunikationszeitalter benötigt eine neue Streitkultur
4 . Was ist "Struktureller Friede" und "Strukturelle Demokratie"

5.  Friedensarchitektur & Friedenstechnik - Europa braucht eine Friedensstadt!
6.  United World Project - Vom Ich zum Wir - Wir sollten vom Ziel her denken
7.
  Friedensforschungs TV - Neue Friedensideen erfordern eine Medienpräsenz

 

 

   

Freie Information ist das Gegenteil von Krieg!


„Das erste Kriegsopfer ist die Wahrheit“

Julian Assange (Wikileaks)

"Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man", sagte Friedrich Nietzsche. Mit anderen Worten: Wir sollten aufhören böse Menschen zu töten, sondern wir sollten nur böse Ideen "töten" oder besser gesagt umwandeln. Es geht also heute im Kern um Software statt um Hardware. Der eigene "Kompass zur Orientierung" ist nur dann gut benutzbar, wenn er nicht den Verklemmungen der Vergangenheit, der Tradition, des Dogmatismus, der Meinungsdiktatur, der Lüge aus Machtgründen, der Zensur und der Ignoranz unterworfen ist. Jede Erhellung dieser "dunklen Mächte der Kommunikation" löst das befreiende Lachen aus. Deshalb gilt:

Argumente sind die Kernwaffen des Kommunikationszeitalters!

     
             
     
 

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Text: Neo von Terra  alias Hans Mack  (1)   2013
Der Autor dieser Seite ist freischaffender Künstler und arbeitet als Friedensaktivist, Kabarettist und Schauspiellehrer