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Das Kommunikationszeitalter benötigt eine neue Streitkultur

Selbsttäuschung und Kommunikationsverbote

Selbstwahrnehmung und Weltwahrnehmung ist abhängig von Standpunkt und Perspektive


Folgender Text wurde angeregt durch ein Video des „Die Zeit“ Redakteurs Gero von Randow über einen Artikel aus dem Wissenschaftsmagazin „Science“:

"Da wir uns selbst aus anderer Perspektive wahrnehmen als unsere Mitmenschen, führen Missverständnisse ständig zu Streit. Wir können uns selbst nicht sehen und nur verzerrt hören. Wir können die Wirkung unsere eigenen Gesten und Bewegungen nicht richtig sehen. Wir nehmen uns nur durch unsere körperlichen Innensinne wahr. Introspektion nennt man den Versuch die eigenen Äußerungen, Gefühle und Gedanken zu erkennen. Wie sehr unser Selbstbild sich von der Realität unterscheidet, sehen wir erst, wenn wir Videos von uns betrachten.

Die anderen Personen hingegen nehmen wir nur durch ihre Äußerungen wahr und allein schon diese zwei verschiedenen Perspektiven führen dazu, dass wir Menschen uns und die anderen unterschiedlich wahrnehmen. Wir bewerten und interpretieren die anderen vor dem Hintergrund ihrer von uns wahrgenommenen Handlungen und wir interpretieren uns vor dem Hintergrund unserer eigenen Binnenwahrnehmung. Außerdem erkennen wir sehr schlecht wie sehr unsere Eigenwahrnehmung durch Illusionen, Traditionen, Ideologien, Religionen eingeschränkt, verändert oder verzerrt werden.
Bei Anderen nehmen wir das sehr wohl war, weshalb wir immer recht haben und die anderen immer unrecht.

Hinzu kommt, dass die aktuelle Hirnforschung folgendes feststellt: Wir haben im Kopf sogenannte Spiegelneuronen. Das sind Nervenzellen, die unsere eigenen Handlungen und Gefühle beeinflussen, mit denen wir Modelle anderer Menschen bilden und ihr Denken nachvollziehen, so entsteht Empathie und Mitgefühl. Allerdings werfen wir unsere Spiegelneuronen nur bei den Menschen an, mit denen wir uns verbunden fühlen und die wir nicht abwerten oder ignorieren."

Wir brauchen eine neue Diskussions- und Dialogkultur!

Das Bild, das wir von uns selbst haben, unterscheidet sich oft vom Bild, das die anderen von uns haben. Wir würden staunen wenn wir uns einmal einen Tag lang von außen betrachten könnten, und einen Film über uns sehen könnten, der von einem heimlichen Kamerateam aufgenommenen wurde.

Es ist ein absurdes Dilemma unserer Spezies, dass ein Mitmensch unsere eigenen Fehler besser sieht, als wir selbst. Denn weil er uns von außen sieht, hat er mehr Überblick. Diese wichtige Information kann er uns aber meist nicht mitteilen. Wir können vom wertvollen Blick der anderen auf uns deshalb meist nicht profitieren, weil Kritik durch die archaischen Regeln unserer Ellenbogengesellschaft negativ gewertet wird, bzw. einen Gesichtsverlust oder Statusverlust erzeugt. Nur beste Freunde, deren Zuneigung uns absolut sicher ist, dürfen ihre völlig ehrliche Wahrnehmung ohne unseren Widerstand äußern.  Deshalb wird so oft gemobbt und über andere geredet, anstatt mit ihnen zu reden. Deshalb wird so oft ausgegrenzt, anstatt integriert. Deshalb ist es so schwer etwas zu verbessern und deshalb sind viele Menschen unrettbar in negativen Verhaltensweisen gefangen. Das Kommunikationszeitalter erfordert eine neue Kommunikationskultur und neue soziale Regeln, die dieses Dilemma lösen und besser zur Moderne passen. Wir sollten die offene Kritik und die freie Kommunikation belohnen und völlig vom Ansehensverlust und vom Statusverlust entkoppeln!

 

Das Informations- und Kommunikationszeitalter erfordert eine neue Art des Streitgesprächs, das den banalen Streit um Standpunkte beendet und eine Lösungskultur in den Vordergrund schiebt. Es geht um neue Lösungsmuster und einen gemeinsamen Lösungsdialog, der sowohl tabulos, ehrlich und umfassend die wahren und damit subjektiven Meinungen der Menschen nebeneinander wie offene Karten auf den Tisch legt. Das, was gedacht wird, muss auch gesagt werden dürfen, andernfalls wird Information unterdrückt, die zur Orientierung benötigt wird, damit sich jeder ein klares Bild der Gesamtsituation machen kann. Erst wenn jeder seine wahre subjektive Wahrnehmung ausspricht, kann in der Gesamtsicht ein wirklich objektives Bild entstehen.

Man kann in unserer Sozialkultur meist zum Mitmenschen nicht wirklich sagen, was man denkt. Offene Kommunikation und Sprache ohne Lüge ist aber bei allen Problemen so etwas wie der „zwischenmenschliche Werkzeugkasten“ um Fehler und Irrtümer zu reparieren. Wenn aber schon der "Werkzeugkasten" aus irgendwelchen Gründen nicht nutzbar ist, dann ist diese Kommunikationsmauer einer der fatalsten Defekte unserer Spezies. Wir müssen die Kommunikation befreien!

Wir nehmen oft manch nachteilige traditionelle Regeln und anerzogene Verhaltensweisen als alternativlos und „gottgegeben“ hin, die nicht alternativlos sind. Manche kulturellen Regeln, Fettnäpfchen und "mentale Tretmienen" erschweren unsere Art des Kommunizierens und Zusammenleben fundamental. Eine dieser Regeln betrifft den Umgang mit verschiedenen Meinungen und mit Kritik. Nicht nur bei Nachbarn oder Arbeitskollegen, sogar bei Freunden oder Ehepartnern (1) ist dies oft ein Problem.

Kontroversen werden häufig so lange gemieden und verdrängt, bis sie immer größer werden und sogar die gesamte Beziehung zerstören können. Die Kommunikationsblockade unseres Systems führt zur Aufstauung von Problemen und Spannungen. Dieses Verhalten manifestiert sich auf allen Ebenen unserer Kultur, von der Kleinfamilie bis hin zu Konflikten zwischen Nationen.

Die wenigsten wissen dass Streitgepräche auch lustvoll, spielerisch, relaxt, lachend, in völliger Offenheit und ohne zu lügen möglich wären, wenn nur eine neue Art des Disputs gültig, bekannt und als Handlung bei uns allen eingeübt und verfügbar wäre. Wie langweilig wäre es, wenn wir alle die gleiche Sichtweise hätten. Wir sollten uns auf Meinungsverschiedenheiten freuen und diese kulturell zelebrieren, statt sie zu vermeiden und wir sollten so subjektiv ehrlich und emotional dabei sein dürfen, wie uns das nur möglich ist. Ein freier Disput kann ein Naturerlebnis wie ein Gewitter sein. Wenn von allen Teilnehmern kein einziges Gefühl und Argument unterdrückt werden muss, kann die „geistige und emotionale Luft“ danach so klar und frisch sein, wie wir das nach einem Gewitter kennen, weil Spannungen und "Monosichtweisen" abgebaut wurden. Im Bereich der Schauspielschule (1) lieben wir genau diese Art von fundamental menschlichen Disputen und können nur lachen über die vielen, gerade auch in Deutschland üblichen Fettnäpfchen und Regeln einer Realität, die wahrhafte Kommunikation verhindert, Menschen verhölzert, auseinanderdividiert und krankmacht. Franz Kafkas Worte passen hierzu sehr gut: „Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.“

"Fehler sind dazu da transparent korrigiert zu werden" (1) Sascha Lobo

Eine auch emotionale Lösung und Entspannung von Problemen ist erst dann möglich, wenn alles ausgesprochen wird, wenn nichts zurückgehalten wird, wenn sämtliche Emotionen, (sogar die unterdrückten und eingefrorenen) ausgesprochen und letztlich ausgelebt werden können. "Eine Szene machen" nennt man das. In unserer "normalen" Welt wären solche Forderungen der Aufruf zu einem willentlichen Gesichtsverlust, Statusverlust, Identitätsverlust. Manche würden gar sagen dies wäre ein Aufruf zu Anarchie und Chaos. Dem ist nicht so.

Eine Lösung könnte stattfinden durch die soziale Einbindung von Regeln aus einem Bereich der schönen Künste. Wir finden diese Regeln im Schauspielunterricht. Dies ist ein soziales Happening, bei dem Verspannungen, Spiellust, Freiheit der Rede und innere Impulse und die Realisierung von Wunschmöglichkeiten seit Langem thematisiert werden. Auf der Improvisationsbühne des Schauspielunterrichts kann man das durch die Vergangenheit diktierte Ich ablegen und sein, wer man sein will. Zur Grundschulung eines jeden Menschen sollte Schauspielunterricht, Kommunikationsschulung,  Entspannungs- und Glücks Know-how gehören. Dies wäre ein Schritt zu einer Kultur des Friedens, des Spiels und zu einer Kultur der Weisheit. Die Zeiten gehen gerade zu Ende, in denen der Sinn des Lebens aus Arbeit und dem zwischenmenschlichen Nullsummenspiel eines Aufsteigens in der Hierarchie besteht. Roboter und Maschinen erledigen zunehmend die Arbeit. Dem Menschen eröffnet sich deshalb eine immer größere Freiheit und Freizeit. Es bleiben zunehmend so angenehme Aufgaben übrig, wie Forschung, Kreativität, gemeinsames Spiel, Kunst und Spaß. Es wird Zeit, dass wir diese wundervolle Möglichkeit endlich gemeinsam nutzen.

Dabei werden wir einen Identitätsirrtum verkraften müssen. Schlimm wäre das nur dann, wenn man seine (emotionalen, muskulären und mentalen) Verspannungen, Selbstbelügungen und Dogmen als Identität behalten möchte. Alle schauspielerischen Lösungen machen Spaß, sie belustigen unser Inneres, sie erwecken das Kind, das wir einmal waren und fördern die gewaltige Kraft des Humors und die elementare Kraft unserer Spiellust und Lebenslust. Wir sollten nicht fürchten uns zeitweise zum Narren machen zu lassen. Wir sind nur dann der Narr, wenn wir zur Statue erstarren aus lauter Angst zum Narren zu werden und dabei unser öffentliches und absurd ernstes Gesicht zu verlieren. Diese Furcht ist Unsinn. Schauspieler wissen das und es wird Zeit, dass die ganze Gesellschaft von diesem Fachwissen profitiert. Es geht schließlich darum das Glück in der Welt zu vermehren und dies geschieht ganz sicher nicht durch die heutigen Regeln der Ellenbogengesellschaft, des Raubtierkapitalismus und der Anarchie des Geldes (1), jedoch ganz sicher durch die schönen Künste, vor allem dann, wenn man dabei selbst zum Künstler und Schauspieler wird, was unabhängig vom Talent für jeden möglich ist. Wir müssen die allgegenwärtigen Lügen und unsere Denk-Tabus überwinden, wenn wir eine Gesellschaft ohne strukturelle Gewalt (1) wollen.

Beispiel: Wie und warum funktioniert das "Forum" als Konfliktlösungsmethode im Friedensprojekt Zegg/Tamera. Forum nennt man dort ein bewährtes Ritual, um Konflikte und Meinungsverschiedenheiten, auf der künstlerischen Ebene, verbal mit Tanz und Musikelementen auszudrücken. Derjenige, der ein Problem z. B. mit Mitbewohnern hat, geht bei einem Problemlösungsritual, das mehrmals die Woche stattfindet, jeweils in die Mitte des Raums. Die Gruppe, die im Kreis darum steht, gibt mit Klatschen oder Fingerschnipsen einen Takt vor. Durch diese Art bekommt der Konflikt etwas Spielerisches und es wird ihm damit weitgehend der Ernst und das Destruktive genommen. Wenn jemand aus dem umgebenden Kreis von dem "verbal tanzenden Problemträger" in der Mitte angesprochen wird (weil dieser etwas mit dem Problem zu tun hat), dann verlässt der Angesprochene, wenn er will, spontan den Kreis und begibt sich seinerseits in die Mitte und "rappt" mit seinem improvisierten Text die eigene Sichtweise und Perspektive. Dieses "Forum" nutzt also Elemente aus Psychodrama, Improvisationstheater, Jamsession, Aikido, Poetry Slam und Rap. Spannungen werden auf diese Weise gewaltfrei und konfliktarm ausgeglichen. Dies verhindert, dass soziale Spannungen wie meist in der Normalwelt, sich immer weiter aufstauen. Zusätzlich wird Transparenz hergestellt. Soziale Spannungen werden dadurch also integriert und gelöst anstatt ausgegrenzt und aufgestaut.

Ein noch intensiverer Problemlösungs-Ansatz wäre in einer Art Erweiterung dieses "Forums" möglich:
Wir könnten durch Schauspieltechnik die Streit- und Diskussionsprozesse innerhalb eines Spielrahmens mittels den sogenannten "Improvisationsübungen nach Stanislawski" ablaufen lassen. Hier ist der unverfälschte subjektive Ausdruck in einer schauspielerischen und lebensechten Simulation erlaubt und das völlige Ausleben der Wut ohne Schaden möglich, und erst wenn alle Verspannungen ausgelebt sind, dann ist eine Lösung erreicht, die nicht aufgesetzt und pseudo ist. Siehe Projekt RealTheater.

Einen Blick sollten wir noch auf die Art werfen, wie Kinder sich oft vor unerwünschten Verhaltensweisen schützen, sie lachen einfach darüber und parodieren diese. Sie halten dem anderen durch Imitation den Spiegel vor. Ein größerer Eklat wäre in der Erwachsenenwelt kaum vorstellbar, wenn wir genau dies bei einem Konflikt öffentlich in der Realwelt mit einem Mitmenschen machen würden. Genau das und mehr davon sollten wir eigentlich tun. Wir spielen eine Rolle und verteidigen diese Rolle absolut, anstatt loszulassen. (1) Der Kardinalfehler ist der, dass wir unsere inneren Impulse und unseren realen inneren Dialog und Subtext, alles was wir wirklich empfinden, bei Problemen als Ehrverletzung und nicht als Information wahrnehmen. Dadurch unterstützen wir unsere Defekte und Verspannungen, anstatt mit dem Parodisten unserer Verspannungen mitzulachen und ihm für seine Offenheit dankbar zu sein und uns damit auf die Seite des Erkennens und des Lösens zu stellen. Es ist sogar eine Art des Denkens vorstellbar, in der Schimpfwörter völlig ihre (absurde) Macht verlieren, denn wer wirklich souverän im Leben steht, den kann kein Wort real beschädigen, höchstens amüsieren oder informieren. In der Schauspielkunst oder unter Kindern, die sich mögen ist diese Tatsache offensichtlich.

Impulskontrolle ist wichtig, um vom Kind zum Erwachsenen zu werden, der sich selbst im Griff hat. Zu viel Impulskontrolle (die oft bis zu einer Art strengen Diktatur über sich selbst und einer Verleugnung eines Teils in sich wird) kann Körper und Geist krankmachen und die Lebensfreude, Energie und Kreativität erdrosseln (z. B. bis hin zum Burn-out). Der Schauspieler kann seinen inneren Impulsen in einem Zeitrahmen völlig freien Lauf lassen. Jeder Schauspieler lernt das und jeder Laie kann dies in wenigen Wochen lernen. Es ist also möglich das chaotische, spielerische und freie Innere im Menschen toben zu lassen und die Kontrolle dennoch minimal aufrecht zu halten, sodass keine körperlichen Verletzungen entstehen. Schauspieler lernen das.

"Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können" Friedrich Nietzsche

Wir Erwachsenen sind in manchen Dingen mental und logisch oftmals gar nicht erwachsen, wir sind oft Sklaven unserer destruktiven, archaischen und anachronistischen Regeln aus der Vergangenheit. Zumindest solange wir diese Regeln nicht ändern und nicht über unsere Dummheit und absurde Verspannungen lachen. Die krankmachenden Regeln und der tierische Ernst der Erwachsenenwelt erlaubt das meist nicht, außer vielleicht im Kabarett. Alleine schon das Strafgesetzbuch zwingt uns ab dem Alter von 18 Jahren oft zur verbalen Lüge, verhindert wahrhafte und reale Kommunikation und spaltet durch das Schweigen sogar Freundschaften. (Es gibt viele Leute, die im Leben zu selten "Nein" oder "Ich Liebe Dich" gesagt haben, obwohl sie das intensiv gedacht haben.) Diese Art von "geistiger Inzucht" und Kommunikationsverweigerung führt zu einem aggressiven inneren Dialog oder zu dem Drang über andere hinter deren Rücken zu lästern. Unsere ganz normalen Kommunikationsregeln führen also oft zu einer Art "Gedankenkrieg" und zur gegenseitigen "Sündenbock -Beschuldigung". Dieses Verhalten ist ein Teil unseres Kardinalfehlers: "Lösungen durch Gewalt oder Mauern" erreichen zu wollen. Das ist in etwa so witzig wie der Kurzfilm "Big Business" (1) von Laurel & Hardy/ Dick & Doof.

Negative Beispiele:

Bundestag:  
Hier fehlt der konstruktive Geist, weil es vor allem um Macht der Parteifirmen, Fraktionszwang, Lobby, und nicht primär um Lösungen geht. Außerdem fehlen moderne Kommunikationsmittel, wie ein simpler Großbildschirm zur Einspielung von Medien und Informationen wie Talkshows dies haben. Das Parlament als angeblich höchstes Kommunikations-, Organisierungs- und Lösungsinstrument ist im neuen Jahrtausend noch nicht angekommen.

TV Talkshow, Günther Jauch, Anne Will & Co.
Wie im Bundestag geht es vor allem ums Rechthaben, um den Status der Gäste und selten um die Sache. Jeder vertritt nur seine Perspektive, scheint meist am eigenen Standpunkt festgenagelt. Es fehlt die Betrachtung aus der Metaperspektive und eine konstruktive Diskussionskultur, oft herrscht Chaos. Gute Lösungsideen werden nicht unterstrichen, es fehlen Pausen im Gesprächsablauf, das Klatschen im Publikum erinnert oft an Jubelperser. Eine Lösungsstruktur bei komplexen Problemen fehlt. Selbst wichtigste Probleme bekommen nur eine begrenzte Zeit und es wird oft mittendrin abgebrochen und dann in der nächsten Talkshow wieder von vorne angefangen. Das Zeitlimit und die ständige immer gleiche oberflächliche Wiederholung bis zum Zeitlimit verhindert echte Lösungen.
Die Medien inszenieren Streitkultur als "neobabylonisches Sisyphos Ritual". Talkshows funktionieren wie das Gesundheitswesen, eine echte Lösung/Gesundung ist nicht wirklich erwünscht, da dann der Kunde nicht mehr kommen würde. Trotz Bildungsauftrag und GEZ haben wir in unseren Medien keine Sendungen, die von ihrer Struktur her Lösungskompetenz auf der Höhe der Möglichkeit der Zeit anbieten. (Schon in den 1960er Jahren gab es einige gute TV Beispiele, dass es auch anders geht.)

Positive Beispiele:

"Zukunftskonferenz"  (1) ist eine Methode, die es Gruppen mit verschiedenen Interessen ermöglicht, gemeinsame Ziele zu finden. Mit ihr wurden häufig Durchbrüche erzielt, die in konventionellen Top-down-Konferenzen nicht möglich wären. Zukunftskonferenzen sind eine Strategie für die zunehmend komplexen Probleme und Dilemmata. Es geht darum das ganze System in einen Raum zu holen, den Fokus auf die Zukunft statt auf Probleme zu legen und in selbststeuernden, wechselnden und kreativen Gruppen zu arbeiten. Eine Konferenz kann bis zu zweieinhalb Tagen dauern und es nehmen bis zu 72 Personen teil.  "World Cafe" ist eine ähnliche Methode um Gruppen zu spielerischer Zusammenarbeit zu bringen.

"Open Space"  (1) ist eine kreative Konferenzform, die eine "Aufbruchsstimmung" erzeugen soll, und eignet sich für Gruppen von 50 bis 2000 Teilnehmern, die selbst organisiert und humorvoll miteinander an Lösungen arbeiten.

Man kann auch auf das Internet, Web 2.0, auf Youtube & Co. mit all den interaktiven Möglichkeiten setzen. Hier lassen sich heute schon Argumente mit Videos, Links, Blogs und Leserbewertungen untermauern oder widerlegen. Ein dauerhafter und offener Dialog wird so möglich. Die Foren der großen Zeitungen und Medienunternehmen des Landes werden meist zensiert. Wir sollten deshalb im Web eine unzensierte ergebnisorientierte premium Plattform für die wichtigen umstrittenen Fragen aufbauen, auf der wir ALLE heute verfügbaren Informationen verlinken, kollektiv bewerten, gleiche Argumente sortieren und Argumente und Gegenargumente in ihrer Baumstruktur Gegenüberstellen und deren jeweiliges Fundament und ihre Wurzeln auf Festigkeit prüfen. Wir sollten Wikipedia in diese Richtung erweitern oder zumindest einbinden. Zum Beispiel Wikipedia und YouTube verlinken (2012) nicht aufeinander, das ist ein Mangel. Wir benötigen eine kollektive Einordnung der heute verfügbaren Information, in der wir in aller Klarheit und Transparenz die wichtigen ungeklärten Fragen in all ihren zusammenhängenden Details, sortiert in der Cloud veröffentlichen, um die Gesamtheit eines Themas klar verständlich zu machen. Das ist heute möglich. Egozentrisch motivierte Vernebelungen, Desinformationen und die üblichen kommunikativen "Hütchenspielertricks" sollten hier ebenfalls transparent gemacht werden, damit wir in Hinsicht auf Kommunikation und Information endlich aus den "Kleinkinderschuhen" herauswachsen. Der ganze Baum der Argumentation zu einem Thema soll in einer 3D Form und aus allen Perspektiven sichtbar werden. Dies ist heute möglich. Man könnte das vergleichen mit der umstrittenen Entscheidung des Schiedsrichters bei wichtigen Fußballspielen im TV. Hier zeigen die Medien bereits das Geschehen aus der Metaperspektive. Das aus vielen Kameras computerberechnete 3D Video des realen Geschehens zeigt die Realität realer und besser, als die oft willkürliche und falsche Entscheidung aus der Monoperspektive des Schiedsrichters. Wir haben hier das gleiche Problem wie im Bundestag. Bei wichtigen politischen Entscheidungen wäre es Unsinn hier nicht auch auf die "Perspektive der Vielen" zu setzen, sondern wie im Fußball, auf die offensichtliche Unwahrheit des herrschenden Mannes zu setzen. Es ist ein Fehler, wenn die Parlamente sich im Denken des letzten Jahrtausends ausruhen und interaktive Neuerungen wie ePetitionen oder die kommunikativen Werkzeuge der Piraten (1) eher als Bedrohung ihrer Macht, anstatt als Chance für uns alle sehen.

   

Orientierung/Gliederung:

Projekt RealTheater:
1.
RealTheater - Konkrete Utopie - Experimentelle Friedensforschung
2.  Grundlagen: Philosophie - Kommunikationsforschung - Konstruktivismus
3.  Grundlagen: Künstlerischer Hintergrund - Schauspiel Know-how
4.  RealTheater & Klartraum (Regieführung in den eigenen Träumen)
5.  RealTheater & Liebesforschung: Kunst, Kultur und Wissenschaft der Liebe
6.  RealTheater & Liebesforschung: Liebe & Sex in einer Zukunftsgesellschaft
7. 
 Projekt RealTheater - Ausführliche Informationen über das Pilotprojekt

Friedensforschung 2.0
1.  Wir benötigen eine Mobilisierung der Friedensforschung
2.  Lösung für den Streit der Standpunkte: Polykontexturale Logik
3.  Das Kommunikationszeitalter benötigt eine neue Streitkultur
4 . Was ist "Struktureller Friede" und "Strukturelle Demokratie"

5.  Friedensarchitektur & Friedenstechnik - Europa braucht eine Friedensstadt!
6.  United World Project - Vom Ich zum Wir - Wir sollten vom Ziel her denken
7.
  Friedensforschungs TV - Neue Friedensideen erfordern eine Medienpräsenz

 

 

   

 

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Text: Neo von Terra  alias Hans Mack  (1)   2014
Der Autor dieser Seite ist freischaffender Künstler und arbeitet als Friedensaktivist, Kabarettist und Schauspiellehrer