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Projekt RealTheater

Eine Verschmelzung von Theater und Realität für eine praktische Friedensforschung. Schauspiel in Zusammenarbeit mit Philosophie, Psychologie, Soziologie und Szenariotechnik (1). Eine wissenschaftliche & künstlerische Gruppenarbeit zum Aufbau eines strukturell gewaltfreien Systems. Ein interdisziplinäres Experiment.

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1. Projekt RealTheater - Experimentelle Friedensforschung - Eine konkrete Utopie
2. Grundlagen: Philosophischer Hintergrund - Radikaler Konstruktivismus (Wirklichkeitsforschung)
3. Grundlagen: RealTheater und Schauspiel Know-how - Künstlerischer Hintergrund
4: RealTheater & Klartraum (Im Klartraum weiß der Träumende dass er träumt und führt Regie)
5. Friedensforschung 2.0 - Wir benötigen eine Mobilmachung der Friedensforschung!
6. Projekt RealTheater - Work in Progress - Ausführliche Informationen über das Pilotprojekt

Aktuelles 15.2.2012

Momentan wird an Videos für YouTube gearbeitet. Wir suchen Unterstützer, Geldgeber, Mitspieler und Mitarbeiter. Sobald ein Geldgeber (eine Stiftung, Hochschule, Friedensforschungsinitiative, Privatpersonen) gefunden ist, wird das Projekt in die Realisierungsphase gehen. Am Anfang der aktuellen Werbephase steht eine Email-Aktion (1), dann eine mehrwöchige Telefon-Aktion und danach der Kontakt mit den Medien. Wir sprechen auch Künstler und Leute an, die sich z. B. mit Kommunikationsforschung, experimentellem Theater, systemischer Therapie (1), systemischer Sozialarbeit (1) oder sozialer Grundlagenforschung befassen.

Eine Simulation (1) kann unter gewissen Umständen zur Realität werden. Wir erforschen Best-Case-Szenarien und experimentieren mit alternativen Realitäten. Mit den Fachbereichen, die hier vernetzt werden, lassen sich neuartige soziale Systeme und experimentelle Gruppenmodelle (1) wissenschaftlich, kreativ und spielerisch (1) konstruieren.

Es ist ein Witz, dass es heute nicht die Hauptaufgabe des Menschen ist, im großen Stil und mit großem finanziellen Einsatz, eine Lösung für das Hauptproblem unserer Spezies (die offensichtliche Feindschaft des Menschen mit sich selbst) zu finden. Hier im Kampf gegeneinander findet die größte Energieverschwendung statt. Hier, und nicht in der Militärtechnik, sollte mit Milliardeneinsatz geforscht werden. Wir brauchen Ideenwettbewerbe und alternative soziale Projekte, Experimente und Simulationen. Die Zeit drängt. Die heutige Welt braucht eine Alternative zur Egozentrik, Rechthaberei, Zerspaltung und Rückwärtsgewandtheit. Es fehlen die Lösungen der Moderne!
Wir brauchen eine Friedensforschung in einer neuen Qualität und Größe, die ein reales „System des Friedens“ schafft. In einem ersten Schritt benötigen wir eine interdisziplinäre Forschung und einen Wettbewerb neuer Ideen, um einen Ort oder ein Dorf zu erschaffen, das ohne strukturelle Gewalt, Angst und Lüge funktioniert. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Ziel heute real möglich ist. Und hier an diesem Punkt möchten wir das Projekt RealTheater vorstellen als eines der Projekte, die in diesem Zusammenhang finanziert, realisiert und getestet werden sollten.

Es geht darum, die Kunst des Theaters aus dem Korsett des zeitlichen Rahmens und des festen Scripts, in dem Theater bisher meistens existiert, zu befreien. Und es geht in diesem Zusammenhang darum, für eine Zeit aus seinem üblichem mentalen Selbstmodell, aus seiner (historisch gewachsenen) Rolle auszusteigen und eine Zeit als Wunschrolle (Alter Ego, Avatar) zu leben, und zwar gemeinsam mit anderen, die dies ebenfalls tun. Wenn man Szenarien über einen längeren Zeitraum durchführt (Tage/Wochen/Monate), dann können sie real werden.

Wenn Realität in einem Rahmen aus gewissen Theaterregeln inszeniert wird, dann ist Realität leicht konstruierbar und wandlungsfähig.

Wir Menschen sind sowohl im Theater als auch in der Realität dazu fähig, uns die "Hölle" zu erschaffen, aber wir sind bisher kaum je fähig gewesen den "Himmel" für den Menschen zu konstruieren. Zumindest nicht willentlich und reproduzierbar oder in einer beständigen Gruppe. Jeder Mensch sollte Zugang haben zu den schönsten Gefühlen, Erlebnissen und Rollen. Einem Schauspieler ist dies möglich und deshalb ist es uns allen möglich. Mit den Mitteln des Theaters sind wir potenziell hierzu fähig, vor allem dann, wenn wir einige Theaterregeln in die Realität integrieren (oder andersherum gesehen, wenn wir einige Realitätsregeln ins Theater integrieren). Jeder Mensch kann vom passiven TV Konsumenten zum aktiven Schauspieler werden! Das RealTheater Projekt soll wissenschaftlich begleitet und filmisch dokumentiert werden.

Wir alle sind Schauspieler, oder können es werden!

Schauspieler spielen mit sehr energievollen Gefühlen und Rollen, indem sie mit der Macht der Fantasie direkt in die Wirklichkeit eingreifen. Das ist nicht echt, die spielen nur? Das kann man aber auch aus einer ganz anderen Perspektive sehen, und zwar besonders dann, wenn man dieses Thema tiefer beleuchtet. Wenn wir hier von Schauspiel reden, dann meinen wir generell "gutes Schauspiel", das stimmig, glaubhaft und ehrlich (1) realisiert wird.

Man glaubt und versteht vieles erst, wenn man es selbst mit seinen Sinnen erlebt hat und fühlt. Deshalb soll am eigenen Leib erfahren werden, dass aus anfangs konstruierter Realität plötzlich glaubwürdige und reale Realität entsteht. Diese Erfahrung ist eine Essenz des Projektes. Ziel ist es, dies in höchstens 3 bis 4 Monaten zu erreichen, möglicherweise schon nach ein paar Tagen.

RealTheater ist kein Mittel aus der Realität zu fliehen, sondern eine neue Art die Realität zu sehen und zu gestalten.

Wir brauchen für das angehende Kommunikationszeitalter weiterhin eine neue Kultur der völlig offenen und spielerischen Kommunikation miteinander (PolykontexturalLogik). Damit dies funktioniert, sollten Streitgespräche im schauspielerischen Rahmen erfolgen. Dies nimmt der statischen oder egozentrischen Perspektive den tierischen Ernst und erlaubt gleichzeitig jedem die Mitteilung der ungelogenen subjektiven Wahrnehmung. Diese neue und lustvolle Art der Streitkultur, Kommunikation und kollektiver Regie soll ein Bestandteil des Projekts werden.

Neue Theaterphänomene - Radikale Theaterformen - Avantgarde Theater

Das Realtheater Projekt ist ein Vorstoß der Schauspiel-Methodik in die Realität.
Ein Ende der personalen Spaltung in Spieler, Zuschauer und Autor, wie im normalen Theater üblich.
Die Frage menschlicher Identität im Kontext neuer ästhetischer Zukunftsmöglichkeiten.
Ein Real-Life Experiment, das Vergangenheitsorientierung durch Wunschorientierung ersetzt.
Ein Projekt, das die übliche Art der linearen und kausalen Wirklichkeit infrage stellt.
Was wäre wenn... Schauspieler und deren Regeln, die Regeln der "normalen" Realität ändern?

Ist es möglich, spielerisch als Avatar oder Alter Ego zu leben? Ist es möglich sich davon zu befreien immer nur dieselbe "geschichtliche" Ich-Rolle spielen zu müssen? Kann ein Ensemble, das gemeinsam kollektive Regie führt, funktionieren? Das RealTheater benötigt keinen auswendig gelernten Text und kein statisches Drehbuch.

Schauspiel ermöglicht, solange improvisierend gespielt wird, eine gemeinsame Lebenszeit in größtmöglicher Freiheit, die zum Funktionieren keine hunderte Gesetzbücher, sondern nur wenige Regeln benötigt, die intuitiv eingehalten werden können.

Im Improvisationsteil eines üblichen Schauspielunterricht, bei den sogenannten "Improvisationsübungen nach Stanislawski", gelten auf der Bühne wundervollere Regeln als im normalen Leben, die man für die Friedensforschung nutzen könnte. Wenn die Neurowissenschaften die Realität als kollektiven "Traum" bezeichnen, dann könnte man das hier als kollektiven "Klartraum"
(1) bezeichnen. Diese Regeln führen zu Spieloffenheit, Angstlosigkeit, Dynamik und der Annahme von inneren Impulsen und Ideen der Mitspieler, anstatt wie meist in der Realität sich gegenseitig im Zaum zu halten, oder dem "inneren Polizisten" zu gehorchen. Das erweckt Lust und Energie. Die Schauspielschüler realisieren bei diesen Übungen ohne Textblatt und in voller Selbstbestimmung der eigenen Wünsche ein ca. 10 bis zu 60 Minuten andauerndes, lebensechtes, gemeinsames "was wäre wenn... Szenario", in dem jeder in ein "anderes Ich" schlüpft. Die Ergebnisse sind oft faszinierend real. Wir möchten hier das Unerhörte behaupten: Es ist real! Wir sind, was wir tun! Was würde wohl passieren wenn diese selbst konstruierten Rollen mehr Lebenszeit bekämen, als unser "amtliches Lebenslauf-Leben“...

Schauspiel ist eine Blüte der menschlichen Möglichkeit und wird dort potenziell möglich, wo für die existenziellen Grundbedürfnisse gesorgt ist.

Leben als gemeinsames SchauSpiel

Wir wollen sagen, das Leben auf der Bühne ist abenteuerlicher, freier und schöner als das Leben außerhalb der Bühne, und wenn das Element der freien Improvisation klug eingebettet wird, dann ist die Bühne lebendiger als die "normale" Welt. Die einzige Grenze, die es beim Schauspiel gibt, ist die eigene Fantasie. Die Spieler können ihre Wünsche oder Schlüsselerlebnisse erleben, wenn die Gruppe mitspielt.
Lasst uns auf die Bühne ziehen! Lasst uns auf der Bühne leben! Lasst uns die Bühne vergrößern!  Lasst uns essentiell miteinander spielen! Lasst es uns ausprobieren! Unsere Zeit braucht Visionen, konkrete Utopien, mögliche Lösungen wohin die Moderne könnte, wenn sie will. Leben als Spiel! Eine dynamische Realität ist möglich!

...der Gesellschaft zeigen, dass reales Leben auch mit anderen Spielregeln möglich ist

Das RealTheaterprojekt korrespondiert in einem Netz mit vielen theoretischen und praktischen Fachgebieten, deshalb wird bei den Web-Texten auf eine möglichst umfangreiche Verlinkung Wert gelegt. Hier eine Auswahl:

Schauspielerische Grundlage:
u.a. die theaterpädagogischen Methoden von Augusto Boal (Theater der Unterdrückten/Der Regenbogen der Wünsche), Stanislawski (Gründer der modernen Schauspielkunst), Lee Strassberg (The Method), Keith Johnstone (Improvisationstheater)... Gute Schauspielarbeit erschafft realidentische Wirklichkeit.

Philosophische Grundlage:
Radikaler Konstruktivismus der Sozialphilosophen: Paul Watzlawick, Heinz von Foerster...  Wirklichkeit ist relativ und wird unbewusst gemeinsam konstruiert. Weiterhin Thomas Metzinger Gehirnforschung u. Neuroethik, Kant, Fromm, Krishnamurti, Popper...

Psychologische und sozialpädagogische Grundlage:
Erving Goffmann/ Wir alle spielen Theater, Transaktionsanalyse nach Berne/Spiele der ErwachsenenSystemische Therapie, PsychodramaKlartraum, Bioenergetik, Lachyoga, Glücksforschung, Neurowissenschaften...

In Umkehr zu Satres Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“ oder zum Kinofilm „Das Experiment“, basierend auf dem "Stanford-Prison-Experiment" (der US Stanford Universität), oder dem Film "Die Welle", sollte erstmals sichtbar werden, wohin es führt, anstatt einer "Worst-Case-Simulation" (Gefängnisszenario) eine "Best-Case Simulation" zu inszenieren. Dies wurde weltweit noch nie getan. Das Stanford Experiment lief auch deshalb aus dem Rahmen, weil kein Rahmen vorhanden war. Wir arbeiten mit schauspielerischer "Avatar-Technik" und wie das in "James Cameron’s Avatar Film – Aufbruch nach Pandora" so schön zu sehen war, kann ein Avatar jederzeit abgeschaltet werden. Schauspieler fallen jedoch nicht um, sondern lachen meistens, wenn sie aus der (mit heiligem Ernst gespielten) Rolle wieder "auftauchen".
Die völlige Ernstnahme (einer behaupteten Identität oder eines konstruierten Szenarios) in der ganzen Gruppe
erschafft Realität. Die völlige Nicht-Ernstnahme (einer behaupteten Identität oder eines Szenarios) durch das "Auslachen" in der Gruppe zerstört Realität und Identität.

Wir leben in unsichtbaren Käfigen, die wir uns selbst schaffen und genauso wie beim Tier im zu engen Käfig, leidet dadurch unsere Freude und Lebenslust. Die "Zensur der Verneinung" sitzt bereits in unseren eigenen Köpfen. Diese Käfige können geöffnet werden und wir könnten "losfliegen"!

Wer sonst, wenn nicht die Kunst, hat die gesellschaftliche Aufgabe sich an konkrete Utopien zu wagen, zu experimentieren, Neuland zu beschreiten und das Ergebnis zu betrachten? Der Realität ist es egal, ob sie wie bisher historisch und kausal (1) konstruiert wird, oder ob sie kreativ und frei konstruiert wird. Beides ist möglich!

Wer die Zukunft durch Simulationen und Szenarien erforscht, wird mit ihr besser zurechtkommen und wird fähig sie zu gestalten. Wir nutzen zu viel Energie, um nur aus der Vergangenheit zu lernen. Wir sollten aus der "Zukunft" lernen!

Der Planet als Kugelbühne?

"Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Männer und Frauen bloße Spieler" William Shakespeare (1)

„Theater als Profession, die nur wenige ausüben täuscht. Theater ist eine Berufung aller Menschen, es ist die wahre Natur der Menschheit.“ Augusto Boal (1)



"Schluss mit einem Theater, das die Realität nur interpretiert, es ist an der Zeit, sie zu verändern."
Augusto Boal (1)

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Text: Neo von Terra  alias Hans Mack  (1)   2011
Der Autor dieser Seite ist freischaffender Künstler und arbeitet als Friedensaktivist, Kabarettist und Schauspiellehrer
(Bilder von Neo von Terra:  Bild oben - Titel: "Soziale Fusion";   Bild unten - Collage: Titel: "United")